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Der Ginkgo (Ginkgo biloba) - Wanderer zwischen den Zeiten -

Seine Geschichte reicht bis vor rund 300 Mio. zurück und er gilt als lebendes Fossil, da er der einzige seiner Art ist. Er ist einzigartig im Wesen: er hat sich einfach geweigert, das Spiel der Evolution mitzuspielen.

Der Ginkgo hat sämtliche Vulkanausbrüche und Kontinentalverschiebungen miterlebt, sah Dinosaurier und Mammuts an sich vorüberziehen. Er überlebte die letzte Eiszeit, indem er sich bis weit nach Südchina in ein kleines Tal von 25 Quadratkilometer zurückzog. Von dort aus trat er seinen Siegeszug wieder an und ist heute in sehr vielen Parks und Gärten zu sehen und gilt als Symbol für die Langlebigkeit. Kein Wunder, wird er doch 1000 Jahre und älter. Die ältesten Ginkgos sollen in China stehen und fast 4000 Jahre alt sein.

Wenn ein Ginkgo alt ist, kommt es vor, dass er Stalaktiten ähnliche Auswüchse am Stamm oder unterhalb der Äste ausbildet, die nach unten wachsen und aus denen sich Sekundärstämme entwickeln können. Man nennt sie auch „Chi Chi“.

Seine Widerstandskraft gegenüber Hitze, Kälte, Viren, Bakterien, Pilzen und Umweltbelastungen sind beeindruckend. So war es ein Ginkgo, der nahe des Einschlagortes der Hiroshima-Bombe verkohlt überlebt und im darauffolgenden Frühling wieder ausgetrieben haben soll.

Der Ginkgo kommt erst mit 30 bis 40 Jahren in seine erste Blüte. Die Früchte dieses Baumes ähneln Mirabellen. Allerdings riecht die Samenschale stark nach ranziger Butter, weswegen beide Geschlechter ungern zusammen gepflanzt werden. Aber die Samen sind essbar und werden in der asiatischen Küche als Gewürz verwendet.

Die Blätter der männlichen Bäume sind in der Mitte recht tief gekerbt. Diese besondere Blattform gilt als Symbol der Einheit in der Zweiheit und regte Johann Wolfgang von Goethe zu folgendem Gedicht an:

 

Ginkgo biloba

Dieses Baumes Blatt, der vom Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie´s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwey, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Fragen zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst Du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe